Eiswein – wenn Winzer pokern

Bei der Produktion von Eiswein ist der Einsatz hoch. Im Pokerspiel gegen die Natur können die Winzer alles verlieren. Doch wenn das Blatt gut ist und das Glück mitspielt, dann entstehen unglaubliche Raritäten, edle Meisterstücke, für die stolze Preise verlangt werden.

Risiko Totalverlust:

Die Voraussetzung für Eiswein sind klar. Es muss kalt werden – sehr kalt! Nur wenn die reifen Trauben einer Temperatur von mindesten -7° Celsius oder besser noch weniger ausgesetzt werden, kann Eiswein überhaupt produziert werden. Das Risiko dabei ist hoch. Die Trauben müssen teilweise bis in den Januar überleben, bis der entscheidende Tag gekommen ist. Und dann sollte möglichst viel der Ernte trotz Witterung, Vögeln und Pflanzenbefällen noch vorhanden sein. Im Durchschnitt liegt die Erntemenge am Ende nur noch bei 300-500 Litern pro Hektar, was vielleicht noch 5-10% des üblichen Ertrags entspricht. Fieberhaft schauen die Winzer und auch die Weinkenner jedes Jahr täglich auf das Thermometer, um ja keine Chance zu verpassen. Die Trauben müssen früh morgens, noch gefroren geerntet und gekeltert werden. Da gilt keine Ausrede, vielleicht ist die erst Chance auch die letzte in diesem Jahr. Nur der Winzer, der einen hohen Einsatz bringt, kann auch hoch gewinnen. Und dabei ist es keineswegs nur ein Glücksspiel. Dem Zufall wird nichts überlassen, außer die Temperatur selber. Schon das gesamte Vegetationsjahr über bereiten die Weinbauern der nördlichen Regionen ihre Eisweinlese vor. Die Trauben müssen dabei streng geschnitten werden und mit allen erdenklichen Methoden vor den größten Feinden, den Vögeln geschützt werden. Daher packen viele Winzer ganze Weinberge im August oder September in Plastikplanen ein. Und wenn der Kälteeinbruch nicht kommt? Dann hat der Winzer das Spiel verloren, das kann beim Pokern durchaus vorkommen. Im nächsten Jahr beginnt es dann von Neuem, denn trotz des hohen Risikos können sich viele Winzer nicht gegen die Versuchung des Eisweins wehren. Gewinne und Anerkennung auf dem Markt rufen.

Das Besondere am Eiswein:

Das was den Weißwein so hervorstechen lässt auf dem großen Weinmarkt ist die unglaubliche Süße. Der Unterschied zu einer Auslese oder anderen edelsüßen Weinen ist damit durch zwei Sachen gegeben. Einmal braucht ein wirklich großer Eiswein gesunde Trauben. Der Geschmack der Edelfäule stört hier eher, denn Eiswein erlangt seinen hohen Zuckergehalt anders. Möglichst gesunde Trauben sollten das Ausgangsmaterial sein.  Der zweite Punkt ist die dichte Konzentration der Beeren-Inhaltsstoffe und ein vergleichsweise hoher Säuregrad. Dieses Phänomen wird eben dadurch erreicht, dass die Beeren gefroren gekeltert werden. So bleibt das in den Beeren gefrorene Wasser als Eis auf der Kelter zurück, während nur der süßeste Saft, dessen Gefrierpunkt tiefer liegt, hoch konzentriert als Most gewonnen wird.

2009er-Weingut-Markus-Molitor-Brauneberger-Mandelgraben-Riesling-Eiswein-1-Stern

Für Genießer der krönende Abschluss eines kulinarischen Abends:

Eiswein ist ein grandioser kulinarischer Begleiter. Als Aperitif lässt er so manchen Kenner in Verzückung geraten. Und wenn das Essen seinen krönenden Abschluss im fruchtigen, süßen Dessert findet, dann stellt der Eiswein noch das Sahnetüpfelchen auf der Tortenspitze dar.

Und mein ganz persönlicher Tipp, der sich vielleicht anfangs etwas schräg anhören wird, ist Eiswein zu reifem Edelschimmelkäse. Diese Kombination ist geradezu perfekt in meinen Augen. Die salzige bis leicht bittere Note des cremigen Käses ergänzt sich mit dem fruchtigen, süßen Aroma des hochkonzentrierten Süßweines zu einem grandiosen Geschmackserlebnis. Auf jeden Fall ein Versuch wert!

Meine Eisweinempfehlung:

2009er Weingut Markus Molitor Brauneberger Mandelgraben Riesling Eiswein 1 Stern

Zinfandel – Muskelprotze unter den Rotweinen

Zinfandel wird hauptsächlich in den USA, vornehmlich in Kalifornien angebaut. Ihren markantesten Ausdruck findet die Vielfalt der kalifornischen Weinindustrie in ihrer wichtigsten blauen Rebe Zinfandel. Aus dieser können ganz unterschiedliche Weine produziert werden. Auf der einen Seite des Spektrums gibt es den halbsüßen, leicht rosaroten White Zinfandel oder Blush Wine, der in Amerika sehr beliebt ist. Neben einem echten Rosé aus Zinfandel, gibt es auch noch eine Vielzahl unterschiedlicher Rotweine. Diese reichen von leichten, früh trinkfertigen, fruchtigen bis hin zu gehaltvollen, schweren „Muskelprotzen“, die im Fass ausgebaut werden. Last but not least kann man aus Zinfandel sogar noch teils aufgespritete, portartige Weine herstellen. Allerdings haben eindeutig die klassischen, im Fass ausgebauten Rotweine die meiste Aufmerksamkeit verdient, denn in überaus köstlicher Weise verbinden diese Klasse und Kraft. Der klassische Rotwein aus Zinfandel besitzt immer viel Alokohl (eher über 13,5%). Der Geschmack ist breit, stark und fast massig.

Zinfandel wird in anderen Regionen auch Plavac mali, Primaticcio, Primativo oder Primitivo gennant.

zinfandel kamin

Europäische Herkunft von Zinfandel:

Die ersten Überlieferungen von Zinfandelreben in Amerika gab es am Anfang des 19. Jahrhunderts. Vermutlich ist der Name eine Veränderung der Verballhornung von Zierfandler. Das ist eine mitteleuropäische Rebsorte. Kalifornische Forscher fanden vor gut 50 Jahren heraus, dass Zinfandel indentische mit dem italienischen Primitivo aus Apulien ist. Auch eine sehr enge Verwandtschaft zum Plavac mali aus Kroatien konnte festgestellt werden. Das führt zu der Annahme, dass die urspürngliche Herkunft der Zinfandelrebe irgendwo an der Adria, in Österreich oder Ungarn liegt. Aber heute gibt es praktisch nur noch Zinfandel, die aus Kalifornien stammen. Bis auf einige wenige Ausnahmen gilt diese Rebe als kalifornische Varietät. Der klassische Rotwein aus Zinfandel besitzt immer viel Alkokohl (eher über 13,5%). Der Geschmack ist breit, stark und fast massig.

Typische Aromen von Zinfandel:

Aromen von Beerenfrüchten,wie zum Beispiel Johannisbeeren, die auch teilweise von einem Anklag süßer Backpflaumen oder Rosinen ergänzt werden, können in einem guten Zinfandel enthalten sein.Auch der Geschmack nach Gewürzen, wie Muskatnuss oder Pfeffer, ist typisch.

Köstliche Kombinationen:

Da Zinfandel-Weine eine sehr große Kraft entwickeln können, und sie ja nicht den Geschmack der Speise überdecken sollen, passen am besten folgende Gerichte zu diesen Rotweinen:

Fleisch: gebackenes, gegrilltes oder gebratenes Scheine- und Rindfleisch, darf auch kräftig gewürzt sein, Eintopfgerichte, Schmorgerichte

Wild: Deftige, gut gewürzte Wildgerichte passen meist ganz gut

Käse: Herzhafter Rotschmierkäse, reife, würzige Hartkäse, wie Gouda mit Kümmel oder Leidener

Rotweinland Württemberg – Die Region des Trollingers

Schon seit es den Weinbau dort gibt, gilt Württemberg als Rotweinland. Die beliebteste Rebsorte der „Vierteles-Schlotzer“, wie sich die Weingenießer im „Ländle“ nennen, ist der heimische Trollinger. Aus dieser Traube kann man vorwiegend unkomplizierte, blaßrote Weine produzieren, die hervorragend zu den gemütlichen Zechabenden in der örtlichen Besenwirtschaft passen. Insgesamt beträgt die Anbaufläche in Württemberg ungefähr 11200 Hektar. Wie auch in Baden, liefern fast drei viertel der Winzer ihre Trauben an die örtlichen Genossenschaften. Diese Betriebsform ist im Südwesten Deutschlands vorherrschend. Wider erwarten ist im Rotweinland ein Weißwein die meistangebaute Rebsorte. Mit knapp 25%  dominiert die Rieslingrebe vor den roten Sorten Trollinger (23%), Pinot meunier (16%) und Lemberger (9%) den Weinmarkt in dieser Gegend. Allerdings sagen viele Weinkenner, dass der württembergische Lemberger über das größte Potenzial verfügt.Wappen_Württemberg_1933

Rotwein in Württemberg

Grundsätzlich finden alle Weinreben beste Voraussetzungen in den Böden Württembergs. Muschelkalk aus dem Jura-Zeitalter, Keuper und Mergel sind die vorherrschenden Bestandteile der fruchtbaren Böden. Rotweine werden dabei hauptsächlich im württembergischen Unterland rund um Heilbronn, Weinberg und Neckarsulm gepflanzt. Für die herausragenden Spitzenweine der Region reifen Lemberger-Trauben beidseitig des Neckars zwischen Ludwigsburg und Bad Friedrichshall. Die besondere Fülle und das Aroma geben die Winzer ihren Weinen mit, indem sie ihre Rotweine teilweise in Barrique-Fässern lagern. Bei den württembergischen Spitzenwinzern findet man neben den sortenreinen Weinen auch hervorragende Cuvées aus Lemberger, Pinot noir und Clevner (Frühburgunder). Aber die große Masse der Winzer setzen in der Region auf die Trollingerrebe, da diese mit Abstand die größten Erträge einfährt. Bis zu 150 Hektoliter lassen sich aus einem Hektar Trollinger produzieren. Ein weiteres Argument für den klassischen Trollinger ist aus Sicht eines Winzers der große Absatzmarkt vor Ort, da sich solche Weine jederzeit problemlos regional verkaufen lassen. Neben diesen bekannten Rotweinen wachsen hier aber auch zwei Spezialitäten mit denen sich nur die wenigsten Weinbauern beschäftigen. Weder der Samtrot noch der Muskattrollinger fallen in der Anbaustatistik ins Gewicht, gehören aber zu den geheimen Schätzen Württembergs.Diese Raritäten sollte sich jeder einmal selbst auf der Zunge vergehen lassen. Der samt-zarte Samtrot und der würzig-elegante, ausgewogene Muskattrollinger sind jedem Weinkenner ein Begriff.

Weißwein in Württemberg

Für den Anbau von Weißweinen ist eher die Landeshauptstadt Stuttgart und ihre Umgebung geeignet. Allen voran gedeihen hier die Rebsorten Riesling und Kerner. Auch entlang der Neckarnebenflüsse Kocher und Jagst sind gute Bedingungen für den Anbau weißer Reben gegeben. Nach dem Taubertal, in dem schmackhafte Silvaner und Müller-Thurgau wachsen, nimmt der Anbau von Wein nach Süden hin immer weiter ab. Nur noch vereinzelt finden man in Bodenseenähe oder bei Reutlingen und Tübingen Weinberge.

Wichtigste Rebsorten:

Rotweine: Blauer Trollinger, Pinot meunier, Lemberger, Pinot noir

Weißweine: Riesling, Kerner, Müller-Thurgau