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Fassausbau – Eiche und Wein, ein Dreamteam


2014
02.07

Immer wieder liest man auf Produktbeschreibungen im Weinhandel etwas von „im Barrique gegoren“, „Holzfassausbau“ oder „französische Eiche“. Was hat es damit auf sich? Ist das bloß wichtiges Fachgeschwafel, das eigentlich nicht wirklich etwas zu bedeuten hat?

Holzfassausbau wird schon seit dem 18. Jahrhundert in Frankreich von den Winzern genutzt, um die Weine zu veredeln und ihnen noch besondere Geschmacksnoten mitzugeben. Aber erst seit den 1970er Jahren wird der Ausbau von Wein nauf Holz weltweit populär. Wein­fäs­ser wur­den in den ver­gan­ge­nen Jahr­hun­der­ten aus dem Holz der Kas­ta­nie, Aka­zie, Kir­sche, Pinie, Palme, Rot­ze­der und des Euka­lyp­tus­baums her­ge­stellt. Aber zur Lage­rung des Weins eig­net sich kein Holz  so sehr wie das der Eiche.

Das liegt daran, dass Eiche här­ter und dich­ter als die meis­ten ande­ren Holz­ar­ten ist. Fei­ne Weine können hervorragend vom süßen, wür­zigen Tan­nin ihres Hol­zes unter­stüt­zt werden. Aus die­sem Grunde wur­den schon im 18. Jahr­hun­dert vor­zugs­weise Eichen­holz­fäs­ser zum Aus­bau des Weins ver­wen­det. Aller­dings wach­sen Eichen lang­sam. Um zur Weinlagerung geeignet zu sein, müs­sen sie min­des­tens 80 Jahre alt sein, bevor sie ein­ge­schla­gen wer­den, und der Stamm­durch­mes­ser muss mehr als 50 Cen­ti­me­ter betragen.

fassbau-und-barrique

Fass ist nicht gleich Fass

Wie der Wein sich im Laufe der Lagerung im Holzfass entwickelt hängt von sehr vielen Faktoren ab. Nicht nur die Lagerzeit und die Holzart sind entscheidend, sondern beispielsweise auch die Belegung. Nur in einer Erstbelegung können die vollen Aromen des Holzes in den Wein übergehen. daher werden die Fässer auch maximal zwei bis drei mal zum Weinausbau verwendet. Auch die Unterschiede von Fass zu Fass können enorm große Unterschiede machen. So kann jeder Wein individuell sein, was vom Gespür des Winzers abhängt. Von absoluten Aussagen und Bewertungen sollte daher Abstand genommen werden.

Verschiedene Bäume

Was hat es denn jetzt auf sich mit der amerikanischen oder der französischen Eiche? Macht das wirklich einen Unterschied?

Es gibt über dreihundert verschiedene Eichenarten auf dieser Welt. Aber von diesen sind nur drei für den Holzfassausbau geeignet. Die Steineiche und die Sommereiche kommen aus Europa, während die amerikanische Weißeiche in Übersee beheimatet ist. Dabei gibt es drei Gebiete aus den diese Eichen hauptsächlich bezogen werden:

Als erstes die französische Eiche. Sie wird weltweit am meisten geschätzt und ist demnach auch die teuerste. Ein kleines Barriquefass aus französischem Holz kostet um die 550€. Das liegt unter anderem auch daran, dass dieses Holz nicht gesägt werden darf, sondern längs der Fasern gespaltet wird. Dadurch wird natürlich die Ausbeute an brauchbaren Stücken deutlich geringer.

Die französische Eiche ist sehr feinporig und entwickelt dadurch die subtilste Aromenpalette. Dabei gibt das Holz den Weinen Geschmacksnoten in die Richtungen Tabak, Rauch, Gewürznelke und Leder mit.

Die slawonische Eiche ist in dem Gebiet des ehemaligen Jugoslawiens beheimatet. In Slowenien, Kroatien, Bosnien-Herzegowina und Serbien wächst dieses Holz, das hauptsächlich für größere Eichenfässer verwendet wird. Daher kommt sie traditionell vor allem in Italien zum Einsatz. Ein guter Barolo reift oft bis zu fünf Jahre auf slawonischer Eiche. Die Struktur dieser Holzart ist etwas gröber als die der französischen Eiche und ist daher neutraler im Geschmack.

Und last but not least die amerikanische Eiche, die aus deutlich härterem Holz geschnitzt ist. Dadurch ist ihre Verarbeitung auch wesentlich einfacher. So muss zum Beispiel keinerlei Rücksicht auf die Faserrichtung genommen werden, wodurch beim Zusägen wenig Abfall entsteht. Ein vergleichbares Fass zum vorher genannten französischen würde um die 350€ kosten. Es ist eine sehr aro­ma­ti­sche Eiche, die sich zum Aus­bau geschmacks­in­ten­si­ver Rot­weine, etwa aus Shiraz- (Syrah-) oder Tempranillo-Trauben, bewährt hat.

Durch die grobporige Struktur werden dem Wein ganz andere Aromen mitgegeben. So sind vor allem Vanille- und Zimtnoten vorherrschend.

Barrique oder Holzfass

Viele denken Barrique ist einfach nichts anderes als ein Holzfass. Aber sowohl von der Namensgebung als auch rein rechtlich gibt es da schon Unterschiede.

Barriquefässer kommen ursprünglich aus Frankreich und haben in Bordeaux die Optimalgröße von 225 Litern. In Deutschland gelten alle Eichenfässer bis 350 Liter Inhalt als Barriques. Alles, was größer ist wird Eichenfass oder Holzfass genannt. Auf der einen Seite ist natürlich in einem kleinen Fass viel mehr Direktkontakt zwischen Wein und Holz gegeben und auf der anderen Seite sind auch die Atmungsmöglichkeiten unterschiedlich.

Toasting

Toasting ist eine Methode, bei der die Innenwände der Fässer über Feuer geröstet werden. Das soll dazu dienen, dem Wein Röstaromen mitzugeben und auch die Aromen des Holzes noch besser freizusetzen.

Eine nette Anekdote besagt, dass früher die französischen Winzer in Meeresnähe alte Heringsfässer zur Weinlagerung verwenden wollten. Um den starken Fischgeschmack nicht auf den Wein zu übertragen probierten sie alles aus. Vom Bürsten bis zum Hobeln. und da das alles nichts brachte, brannten sie die Fässer innen aus, womit sie unabsichtlich das Toasting erfanden, welches bis heute praktiziert wird.

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Gewürztraminer – „Barocke Weißweine“ voller Ausdruck


2014
01.29

Gewürztraminer kann man am treffendsten mit einem Wort beschreiben: Barock. Den Charakter dieses Weines macht seine ungestüme Weise, die mit einem manchmal betäubenden Parfum und einem vollen, üppigen Geschmack, der Kraft mit einem überschwenglich-betörenden Aroma verbindet. Einfach Barock. Kein anderes Wort fällt mir ein, dass die Aussagekraft eines Gewürztraminers besser beschreiben würde. Denn solche Weine sind einfach beeindruckend, und nach dem ersten Schluck vergisst man sie nie wieder. Vor allem im Elsass erreichen Weine aus Gewürztraminer ihr volle Spitze, wobei die am häufigsten vertretene Rebsorte dort Gewurztraminer genannt wird. Sonst ist der Gewürztraminer vorwiegend in anderen eher kühlen Gebieten anzutreffen, um den Säuregehalt zu erhalten. Die dunkel- bis blaurosanen Trauben gehören trotz ihrer Farbe zu den Weißweinen.

Herkunft:

Der Gewürztraminer ist eine aromatischere, muskatartige Mutation des Traminers, eine Varietät in der Weinwelt, die seit über 1000 Jahren im südtiroler Tramin angebaut wird. Es wird vermutet, dass diese Rebe auch in Deutschland und im Elsass schon seit dem Mittelalter vorhanden war, aber erst im 18. Jahrhundert wuchsen die Flächenanteile rasant und kontinuierlich. Niemand kann genau datieren, wann der Traminer zum Gewürztraminer wurde. Unter anderem deshalb dauerte es auch lang, bis den Winzern im Elsass die Exklusivität dieser neuen Rebe bewusst wurde, was auch erst im Jahre 1973 offiziell besiegelt wurde.

Tramin Südtirol Gewürztraminer

Das Heimatland des Traminers ist Tramin in Südtirol. Aus ihm hat sich der Gewürztraminer entwickelt.

Typische Geschmacksnoten:

Die „barocken“ Aromen dieser Weine glänzen hauptsächlich durch Anklänge von Litschi und Rosenwasser in Kombinationen mit den typischen Gewürzaromen. Auch Noten von geräuchertem Speck, Vanille, Ingwer, Banane, und Zimt sind häufig zu entdecken.

Anbauländer des Gewürztraminers:

Australien, Chile, Deutschland, Frankreich, Neuseeland, Österreich, Spanien, Ungarn, USA, Südafrika

Köstliche Speisekombinationen:

Trockene bis sehr trockene Gewürztraminer können hervorragend mit folgenden Gerichten in Einklang gebracht werden:

Meerestiere: Hummer, gut gewürzter Fisch, Sardinen (gegrillt)

Asiatisches: Süß-Saures Schweinfleisch, Ente, nicht zu scharfe Curry-Gerichte

Wild: Kaninchen mit Backpflaumen

Käse: Münster, Kräuterkäse, Räucherkäse

Meine Gewürztraminer-Geheimtipp aus dem Elsass: 2011er Andre Stentz Gewürztraminer Alsace DOC

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Eiswein – wenn Winzer pokern


2013
12.30

Bei der Produktion von Eiswein ist der Einsatz hoch. Im Pokerspiel gegen die Natur können die Winzer alles verlieren. Doch wenn das Blatt gut ist und das Glück mitspielt, dann entstehen unglaubliche Raritäten, edle Meisterstücke, für die stolze Preise verlangt werden.

Risiko Totalverlust:

Die Voraussetzung für Eiswein sind klar. Es muss kalt werden – sehr kalt! Nur wenn die reifen Trauben einer Temperatur von mindesten -7° Celsius oder besser noch weniger ausgesetzt werden, kann Eiswein überhaupt produziert werden. Das Risiko dabei ist hoch. Die Trauben müssen teilweise bis in den Januar überleben, bis der entscheidende Tag gekommen ist. Und dann sollte möglichst viel der Ernte trotz Witterung, Vögeln und Pflanzenbefällen noch vorhanden sein. Im Durchschnitt liegt die Erntemenge am Ende nur noch bei 300-500 Litern pro Hektar, was vielleicht noch 5-10% des üblichen Ertrags entspricht. Fieberhaft schauen die Winzer und auch die Weinkenner jedes Jahr täglich auf das Thermometer, um ja keine Chance zu verpassen. Die Trauben müssen früh morgens, noch gefroren geerntet und gekeltert werden. Da gilt keine Ausrede, vielleicht ist die erst Chance auch die letzte in diesem Jahr. Nur der Winzer, der einen hohen Einsatz bringt, kann auch hoch gewinnen. Und dabei ist es keineswegs nur ein Glücksspiel. Dem Zufall wird nichts überlassen, außer die Temperatur selber. Schon das gesamte Vegetationsjahr über bereiten die Weinbauern der nördlichen Regionen ihre Eisweinlese vor. Die Trauben müssen dabei streng geschnitten werden und mit allen erdenklichen Methoden vor den größten Feinden, den Vögeln geschützt werden. Daher packen viele Winzer ganze Weinberge im August oder September in Plastikplanen ein. Und wenn der Kälteeinbruch nicht kommt? Dann hat der Winzer das Spiel verloren, das kann beim Pokern durchaus vorkommen. Im nächsten Jahr beginnt es dann von Neuem, denn trotz des hohen Risikos können sich viele Winzer nicht gegen die Versuchung des Eisweins wehren. Gewinne und Anerkennung auf dem Markt rufen.

Das Besondere am Eiswein:

Das was den Weißwein so hervorstechen lässt auf dem großen Weinmarkt ist die unglaubliche Süße. Der Unterschied zu einer Auslese oder anderen edelsüßen Weinen ist damit durch zwei Sachen gegeben. Einmal braucht ein wirklich großer Eiswein gesunde Trauben. Der Geschmack der Edelfäule stört hier eher, denn Eiswein erlangt seinen hohen Zuckergehalt anders. Möglichst gesunde Trauben sollten das Ausgangsmaterial sein.  Der zweite Punkt ist die dichte Konzentration der Beeren-Inhaltsstoffe und ein vergleichsweise hoher Säuregrad. Dieses Phänomen wird eben dadurch erreicht, dass die Beeren gefroren gekeltert werden. So bleibt das in den Beeren gefrorene Wasser als Eis auf der Kelter zurück, während nur der süßeste Saft, dessen Gefrierpunkt tiefer liegt, hoch konzentriert als Most gewonnen wird.

2009er-Weingut-Markus-Molitor-Brauneberger-Mandelgraben-Riesling-Eiswein-1-Stern

Für Genießer der krönende Abschluss eines kulinarischen Abends:

Eiswein ist ein grandioser kulinarischer Begleiter. Als Aperitif lässt er so manchen Kenner in Verzückung geraten. Und wenn das Essen seinen krönenden Abschluss im fruchtigen, süßen Dessert findet, dann stellt der Eiswein noch das Sahnetüpfelchen auf der Tortenspitze dar.

Und mein ganz persönlicher Tipp, der sich vielleicht anfangs etwas schräg anhören wird, ist Eiswein zu reifem Edelschimmelkäse. Diese Kombination ist geradezu perfekt in meinen Augen. Die salzige bis leicht bittere Note des cremigen Käses ergänzt sich mit dem fruchtigen, süßen Aroma des hochkonzentrierten Süßweines zu einem grandiosen Geschmackserlebnis. Auf jeden Fall ein Versuch wert!

Meine Eisweinempfehlung:

2009er Weingut Markus Molitor Brauneberger Mandelgraben Riesling Eiswein 1 Stern