Archive for the ‘Allgemein’ Category

Robert Parker – Der Herr des Weingeschmacks


2015
10.16

Der heutige Artikel soll sich ganz und gar um die Person von Robert Parker, einem der bekanntesten Namen der weltweiten Weinszene, drehen. Viele haben vermutlich schon einmal von den „Parker-Punkten“ (PP) gehört, wenn Sie einen Wein kaufen wollten, oder im Internet recherchiert haben. Aber was oder wer tatsächlich hinter diesem Namen steckt, wissen nicht viele. Lesen Sie hier zum Thema Robert Parker.


Zuerst zum Leben von Robert Parker

robert parkerRobert Parker wurde am 23. Juli 1947 in den Jahren direkt nach dem Krieg in Baltimore, Maryland geboren. An der University of Maryland hat er Geschichte in Verbindung mit dem Nebenfach Kunstgeschichte studiert. Als fertig Absolvent wollte er noch einen oben drauf setzten und ging zusätzlich noch an die „Law School“ um Rechtswissenschaften zu studieren und schloss drei Jahre später mit dem akademischen Titel eines „Juris Doctor“ ab. Von diesem Zeitpunkt an arbeitete er für über zehn Jahre für die Farmkreditbank von Baltimore als Rechtsanwalt. Dieser Job fand im Jahre 1984 ein Ende, als Robert Parker sich vornahm, sich hauptberuflich dem Bewerten von Weinen und dem Schreiben von Weinkritiken zu widmen. Damit hatte er allerdings schon früher neben seinem Beruf her begonnen. Seit dem Jahr 1975 verfasste er regelmäßig Weinführer mit Bewertungen und Verkostungen. Dabei war sein Hauptanliegen stets verbraucherorientiert zu bleiben und eben, anders als damals für Weinkritiker üblich, unabhängig von der Lobby oder großen Weinproduzenten zu sein. Sein Plan war es, so als Interessenvertreter des Konsumenten, ohne eigene wirtschaftliche Interessen durch die Bewertungen bestimmter Weine im Auge zu haben, möglichst objektiv bewerten zu können. Schon im Jahre 1978 brachte er das erste Mal seine heute überall auf der Welt bekannte und respektierte Zeitschrift „The Wine Advocate“ heraus. Schon damals und bis heute, setzte er darauf, diese komplett durch Abonnements und nicht durch Anzeigen oder Werbung zu finanzieren, was bis dato einmalig in der Szene war.

Das erste Mal, dass im großen Stil die Aufmerksamkeit der Weinwelt auf Robert fiel, war als er den Jahrgang 1982 im Bordeaux als hervorragendes Jahr ausrief, worüber es viele, teilweise bis heute andauernde Diskussionen gab, weil andere genau das Gegenteil behaupteten. Aber die Märkte zeigten eindeutig, wer das Sagen hat. Diese Preise für die Weine dieses Jahrgangs stiegen rasant im Vergleich zu den vorjährigen Weinen. Robert Parker war und ist, nicht erst ab diesem Zeitpunkt, der entscheidende Weinkritiker dieser Welt, dessen Bewertungen niemals außer Acht lassen konnte, egal ob man sie teilte oder nicht.

Viele Jahre lang bewertete Robert Parker mit seinem mehrköpfigen Verkostungsteam die großen Weine der Welt. Zuerst lag dabei sein Fokus auf Frankreich, später auf Amerika und seit 2000 auch vermehrt auf deutschen, italienischen oder spanischen Weinen. Die Ergebnisse dieser Bewertungen, die häufig auch im Blindverkostungsstil durchgeführt wurden, konnte man dann immer den zweimonatigen Ausgaben der Zeitschrift „The Wine Advocate“ nachlesen.

Im Jahr 2012 kündigte Robert Parker dann an, sich aus dem Geschäft nach und nach zurück zu ziehen. Er verkaufte Teile seines Unternehmens und zog sich aus der Chefredaktion zurück.

Neben der Arbeit als Weinkritiker hat Parker auch viele entscheidende Werke der Weinliteratur verfasst und übersetzten lassen. Seine Bücher wurden hoch prämiert.

Das Parker-Punkte (PP) System

Das Punktesystem von Robert Parker hat sich überall auf der Welt etabliert. Es basiert numerisch auf den Zahlen bis 100, wobei ein Wein, der mit hundert PP (Parker Punkten) bewertet wird, vom Herr des Weines als perfekt angesehen wird. Die diversen Abstufungen dieser Bewertung bestimmen ganz entscheidend den Preis des vorliegenden Weines. So ist für Käufer klar, dass Weine mit über 90 PP von hoher Qualität sind, somit können diese auch teurer verkauft werden.
Es besteht die Frage, inwieweit man in einem solchen Punktesystem mit der einfach Bewertung mit einer Zahl die Komplexität eines Weines tatsächlich festhalten kann. Denn natürlich gibt es viele Merkmale und Kriterien, nach denen vorgegangen werden kann, aber endgültig ist es doch keine wirklich objektive Bewertung.
Wenn zum Beispiel Robert Parker einem Wein 100 Punkte gibt und somit seine Perfektion ausruft, dieser Ihnen aber nicht schmeckt, oder andere Weinkritiker behaupten er wäre zu „fett“, was Robert Parker immer wieder vorgeworfen wird, dann zeigt das, dass der Geschmack nach wie vor individuell ist. So kann das Punkte-System von Ropbert Parker natürlich als Kriterium für den Kauf eines Weines sein, aber es sollte nicht den eigenen Geschmack beherrschen, denn wenn einem ein Wein mit 95 Punkten schlicht nicht so gut schmeckt wie der mit 90, dann ist das eben so.

Robert Parkers Einfluss auf die Weinwelt

Es gibt kaum jemanden, der einen so unglaublichen Einfluss auf die Weinwelt und die Preise der einzelnen Jahrgänge und Flaschen ausüben kann, wie Robert Parker. Das zeigt sich auch daran, dass er einer der wenigen Nicht-Franzosen auf dieser Welt ist, der mit beiden großen präsidentiellen Auszeichnungen Frankreichs geehrt wurde, dem Ritter der Ehrenlegion und dem Verdienstorden.

Die Bewertungen im Punktesystem von Robert Parker bestimmen vor allem in Amerika den Markt ganz entscheidend. Es gibt viele Händler, die bei der Weinvermarktung ganz entscheidend auf dieses Kriterium setzten und damit auch gut punkten. Auch in Frankreich, vor allem in Bordeaux bestimmten die Parker-Punkte die Preise der Weine ganz entscheidend mit. So verdanken ihm viele Produzenten die extremen Wertsteigerungen ihrer Weine in den 1990er Jahren. Es ging sogar so weit, dass viele Weingüter ihre Herstellung genau so modifizieren und verändern, dass die entstehenden Weine die Kriterien aufweisen, auf die Robert Parker und sein Team besonders großen Wert setzten. Denn Parker setzt eher auf hochkonzentrierte, fruchtbetonte, kräftige Weine.
Hier setzten auch die größten Kritiker des Weinjournalisten an. Sie behaupten, dass durch die „Parkerisierung“ der Weinwelt ganz entscheidende, komplexe, schlanke Weinnoten nach und nach verloren gehen, da diese auf dem Markt, der von den Parker-Punkten bestimmt wird, keine hohen Preise erzielen können. Die Weinwelt würde von dem trotz allem subjektiven Geschmack von Robert Parker bestimmt, er sei der imperialistische Diktator des Geschmacks auf dieser Welt, wirft man ihm vor.

Federweißer, Most aus Traubensaft – Ein typisches Bauerngetränk


2015
10.08

Federweißer, so nennt man ganz neuen Weißwein. Prinzipiell kann man sagen, dass Federweißer Apfelmost auf Weinbasis ist. Denn grundsätzlich versteht man unter diesem Begriff frisch gepressten Traubenmost von weißen Reben, der erst kürzlich mit dem Gären begonnen hat. Die Rechtslage des Namen Federweißer in Deutschland gibt vor, dass ein Traubenmost, der diese Bezeichnung tragen will, einen Mindestalkoholgehalt von 4% haben muss. Aber allgemein gesagt kann alles vom ganz frisch gepressten Traubensaft, der erst leicht gärt, bis hin zum fast fertig gegorenen Weißwein Federweißer genannt werden.

Der Name leitet sich davon ab, dass die enthaltenen Hefebestandteile als ganz kleine schlieren vorhanden sind, die durch entsprechenden Lichteinfall weißlich trüb wirken. Im Federweißen sind alle Gärprozesse und die Vermehrung der Hefe noch im vollen Gange, die Bildung des Alkohols aus der Glucose und des Geschmacks, der später den fertigen Weißwein ausmachen würde sind demnach noch nicht abgeschlossen. Aus diesem Grund hat Federweißer, genau wie halb vergorener Apfelmost noch eine deutlich süßliche Note, die ganz direkt vom Fruchtzucker herrührt. Als Charakteristika würde ich dem Federweißer, lieblich, süß, fast schon zuckrig, sehr saftig und lebendig, im Sinne von ganz leichtem „Bizzeln“ auf der Zunge, zuordnen.

Federweißer

Federweißer wird gern gesellig zum Vesper getrunken.

Durch alkoholische Gärvorgänge bei denen aus dem Zucker, der im Traubensaft enthalten ist, Alkohol entsteht entweicht als Nebenprodukt auch Kohlenstoffdioxid. Das erklärt unter anderem die „Bizzeligkeit“. Deshalb ist es zu empfehlen, Federweißer unverschlossen zu verkaufen, denn sonst kann man, wie jeder Mosttrinker weiß ein Problem kriegen. Denn geplatzte Flaschen sind nicht nur ärgerlich und verschmutzen gerne die ganze Wand, sondern auch noch gefährlich. Außerdem sollte man prinzipiell darauf achten, den angegorenen Most nicht zu lange liegen zu lassen, da er sonst komplett vergärt. Häufig produzieren Winzer den Federweißer als Nebenprodukt aus den Trauben, die Qualitätsmängel aufweisen, und so nicht zur Weinproduktion verwendet werden können. Wenn sie als Federweißer auf den Markt gebracht werden, entstehen so trotzdem noch Umsätze für die Weinbetriebe.

Die Federweißer-Saison beginnt im Frühherbst. Als erstes werden früh reifende Reben, wie Bacchus oder Ortega des aktuellen Jahrgangs angeboten. Häufig findet man den Traubenmost dann aber auch bis Ende November oder Anfang Dezember, je nach Weinregion. So wie Apfelmost auch, wir Federweißer häufig zu deftigen Speisen, wie Zwiebelkuchen oder Vesperplatte gereicht und ergänzt diese auch wirklich hervorragend. Der in Deutschland als Federweißer bezeichnete Most wird in anderen Regionen auch als Sturm (Österreich) oder Suser (Schweiz) genannt. Sogar innerhalb der Bundesrepublik finden sich unterschiedliche Namen, wie beispielsweise Rauscher aus Rheinhessen.

Sollten Diabetiker Wein komplett meiden?


2014
07.15

Diabetiker haben es nicht leicht. Damit die Blutzuckerwerte im grünen Bereich bleiben, müssen Zuckerkranke bei allem, was sie zu sich nehmen genau aufpassen. Besonders mit Speisen, die viele Kohlenhydrate enthalten, sollte ein Diabetiker eher sparsam haushalten. So gehören Weißmehlprodukte und Süßigkeiten eigentlich zu den Tabus. Aber das aller größte No-Go war lange Zeit der Alkohol, der ebenfalls voller Kohlenhydrate steckt.

Aber seit einiger Zeit werden alkoholische Getränke, wie Wein und Bier von den Ärzten und Experten nicht weiter verteufelt. Auch Zuckerkranke bekommen nun vom Hausarzt nicht mehr totales Alkoholverbot verschrieben. Denn inzwischen ist bekannt, dass alkoholische Getränke den Blutzuckerspiegel senken. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass das Gläschen Wein eine heilende Wirkung für Diabetiker darstellt. Im Gegenteil:

Alkohol ist voller Kalorien. Da Diabetiker aber aus gesundheitlichen Gründen noch viel mehr auf ihr Gewicht achten sollten als „gesunde“ Menschen, ist gerade das für sie sehr problematisch. Denn bei Übergewicht kann Bluthochdruck entstehen, der Zuckerkranken dann noch mehr zu schaffen macht.

Alkohol ist immer noch ein Gift. Durch den Konsum von Alkohol gerät die Leber eines Diabetikers in einen Zweifronten-Krieg. Wie wenn die hohen Blutzuckerwerte nicht schon Belastung genug werden, muss sie sich nun auch noch mit der Entgiftung des Körpers beschäftigen. Das kann auf Dauer leichter zu Verfettung, Entzündung und Funktionsversagen führen.

Durch Alkohol entsteht die Gefahr der Unterzuckerung. Denn wie schon gesagt senkt Alkohol den Blutzuckerspiegel. Das ist ja für einen Zuckerkranken erstmal erfreulich. Aber das kann sich sehr schnell zum Bösen wenden. Ab ungefähr 0,45 Promille (ca. ein Viertel Wein) schließt die Leber ihre Glukosespeicher vollkommen, und gibt kein Zucker mehr ins Blut ab. Alle Faktoren, die jetzt zusammen kommen, erhöhen die Gefahr der Unterzuckerung ungemein: Insulin gespritzt, Alkohol getrunken, das Tanzbein wird auf der Party geschwungen, Energie wird verbraucht und so kann es schnell brenzlig werden. Denn aus diesem Kreislauf kommt der Körper nur schwer wieder raus, gerade, da der Alkohol auch noch seine Wirkung zeigt und somit den Verbrauch der Energie erhöht und die Empfindung für den eigenen Körper senkt.

Fazit:

Man muss man wieder sagen, auch wenn es schon sehr ausgedroschen klingt:

Die Dosis macht das Gift!

Maßvoller Alkoholkonsum kann positive Auswirkungen für Diabetiker haben, denn er schützt in gewisser Weise vor Herzinfarkt, der unter Zuckerkranken noch wahrscheinlicher ist, wenn hohe Blutzuckerwerte die Blutgefäße beschädigt haben. Aber wenn ich von „maßvollem Konsum“ spreche, dann handelt es sich dabei um maximal 10 g Alkohol für Frauen und auf keinen Fall mehr als 20 g für Männer. Soll heißen die Dame sollte auf keinen Fall mehr als 0,25 Bier oder 1/8 Wein trinken. Er entsprechend. Allerdings ist unter Experten weiterhin umstritten, ob diese Formel tatsächlich auch so auf Zuckerkranke übertragen werden kann. Positiv ist: Bis jetzt wurde nicht das Gegenteil bewiesen. Allerdings muss man natürlich auch immer neben dem Alkohol all die anderen Stoffe in den diversen Alkoholika betrachten. So führen beispielsweise die Polyphenole aus dem starken Rotwein zu Arterienverkalkung, was gerade einem Diabetiker nicht gerade zur Gesundheit verhilft.

Allerdings muss man in meinen Augen auch einen Teil des Lebens genießen, und nicht nur auf all die Gefahren aufmerksam machen, denn älter werden wir sowieso. Man kann zum Beispiel, um der Unterzuckerung durch Alkoholkonsum entgegenzuwirken, einfach nach der Insulinspritze zum Bierchen abends eine Scheibe Brot essen. Dann dürfte man wenigstens was das angeht auf der sicheren Seite sein.